Nov 20 2009
Danke an Klaus D. Herzog
Lieber Klaus D. Herzog,
grad hab ich nachgerechnet, wie lange es her ist, als ich das erste Mal von dir gehört habe. Es müsste 1988 gewesen sein, als mir meine damalige Arbeitskollegin Claudia von einem Freund erzählt hat, der seit einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen ist. Tja, dass ich dich mal persönlich kennen lernen und du einer meiner wertvollsten Freunde werden wirst, konnte damals niemand erahnen…
Unser zweites Kind wird 1993 geboren, ihre körperliche Entwicklung nimmt mit zunehmenden Lebensmonaten einen anderen Verlauf. Ihre „Bewegungsschwäche“ lässt sich auch mit Krankengymnastik nicht wirklich verbessern. Es kommen die ersten klinischen Untersuchungen… das abschließende MRT ist ebenfalls unauffällig. Wir Eltern überbrücken diese Zeit mit viel Krankengymnastik und noch mehr Hoffen und Bangen, dass sich die medizinische Ursache finden und „beheben“ lässt.
Da kommt nach einer Pause ein Anruf von Claudia: wie geht es eurer Tochter? (…) Klaus D. Herzog hält eine Informationsveranstaltung in einer Krankengymnastik Praxis, schau doch mal dort vorbei…
Ich fuhr mit schweren Gefühlen nach Eggenfelden. Als am Parkplatz die Rollstühle der Teilnehmer ausgepackt wurden, machten mir die Gedanken, vielleicht auch bald zu der Personengruppe zu gehören. Angst machte sich breit.
Mein Mut wurde jedoch reichlich belohnt.
Dieses erste Zusammentreffen mit dir hat mich sehr positiv bewegt. Folgende Sätze sind mir heute noch präsent: “Du hast bei großen Veränderungen immer zwei Möglichkeiten: entweder Du weinst dem alten Leben immer hinterher, oder Du machst das Beste aus der neuen Situation” – ich hab mich für das zweite entschieden. Auf so einfache und natürliche Art hast du dein leben bzw. das normale Leben eines Rollstuhlfahrers aufgezeigt und mir dadurch neue Perspektiven eröffnet und viel Mut mitgegeben, das die vielleicht neue Lebenssituation eines Kindes im Rollstuhl durchaus zu bewältigen ist.
Du hast auch gesagt: “Gib deinem Kind einen Rollstuhl, wenn andere Kinder laufen lernen. Gleiche das körperliche Defizit aus, damit deinem Kind die damit verbundene geistige Entwicklung ermöglicht wird.” Der Rückweg war mit vielen guten Gedanken begleitet, der wichtigste Punkt war für mich am Montag sofort einen Kinderrollstuhl auszuleihen. Das freudestrahlende Gesicht der 2 jährigen Anna zeigte nach der ersten Probefahrt zum Küchenherd, das dein Rat lieber Klaus, der absolut richtige war.
Genauso wie dein Tipp, Rollstuhlsport zu betreiben. Nicht nur der Umgang mit dem Rollstuhl ist für die Kinder enorm wichtig zu erlernen, besonders wertvoll ist die Kontaktmöglichkeit gleichbetroffener Kinder untereinander, ebenso wie für Eltern und Geschwisterkinder. Als die Diagnose ein Jahr später gestellt wurde waren wir bereits auf die Situation gut vorbereitet.
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